Hintergrundinformationen

Über unsere Schutzschicht

(aus dem Buch "Liebeskummer lohnt sich doch")

"Im Laufe unserer kindlichen Entwicklung habe wir ein Schutzschild aufgebaut, "damit uns schmerzhafte Energien nicht verletzen können. ....

Das Schutzschild in uns hat wichtige, sowohl positive wie auch negative Aspekte.

+ Die Angriffe auf unsere Empfindsamkeit kamen in einem so frühen Alter und waren so massiv, dass wir ohne die Schutzschicht psychisch wahrscheinlich nicht gesund geblieben wären. 

- Leider haben wir uns an den Schutz gewöhnt und sind so sehr damit identifiziert, dass wir uns dessen gar nicht mehr bewusst sind. 

Wir können das Schutzschild nicht willentlich an- oder ablegen. Die zugrunde liegenden Mechanismen haben sich so früh in uns herausgebildet, dass wir nicht mitbekamen, wie sie zu `eingefleischten´ Gewohnheiten wurden.

Ohne zwischen uns positiven und negativen Energien zu unterscheiden, lassen wir keine Energie mehr an uns heran und sind deshalb isoliert und psychisch unterernährt. 

Diese Schutzschicht hält [daher] alle unsere Energien in unserem Inneren eingesperrt, schneidet uns von den eigenen Gefühlen und vom freien Fluß unserer kreativen und vitalen Energie ab."

Abwehr provoziert Abwehr

Die meisten Konflikte, die wir mit anderen haben, rühren daher, dass die Schutzschilder von zwei Menschen aufeinander treffen. Oft werden wir zurückgewiesen, weil wir uns einem anderen nicht mit Sensibilität, sondern hinter unserem Schutzschild nähern. Wir glauben, offen und zugänglich zu sein, aber in Wahrheit verschanzen wir uns hinter einem Schutzwal und warten darauf, dass sich der andere öffnet, bevor wir es tun. Bekommen wir nicht das zurück, was wir erwarten, sind wir entrüstet.

Wir verieren uns in einem Interaktionsspiel, bei dem jeder hinter einem Schutzschild agiert. 

Wir möchten, dass sich unsere Herzen treffen, aber wenn wir uns in der äußeren Schutzschicht befinden, können wir uns nicht öffnen. 

Wir befinden uns hinter unserem Schutzschild und nicht in unserer Empfindsamkeit, solange wir versuchen, den anderen auf irgendeine Weise zu beeinflussen oder zu verändern.

 

Unsere psychische Abwehr ist auch aktiv, wenn wir 

Erwartungen haben, 

den Anderen verletzen, 

kontrollieren oder manipulieren wollen, 

wenn wir ihm Vorwürfe machen, 

sakastisch sind, 

uns zurückziehen oder 

ihn verurteilen.

Eine Person, der wir uns mit diesen Einstellungen nähern, greifen wir im Grunde an. 
Solche Angriffe kommen aus unserer Schutzschicht.

 

Es ist nicht leicht, sich die eigene Schutzschicht genau anzuschauen, denn wir neigen dazu, sie sehr vehemend zu verteidigen.

In der Arbeit an uns selbst nähern wir uns dieser Schicht, indem wie sie genau betrachten, sie akzeptieren und zu verstehen versuchen, wie und wann wir sie entwickelt haben.

Solange wir selbst unsere Schutzschicht verurteilen und sie verändern wollen, können wir kein mitfühlendes Bewusstsein dafür entwickeln. Nur wirkliche Akzeptanz kann bewirken, dass sich die Schutzschicht nach und nach auflöst.

Wie machen wir es richtig?

Jesper Juul schrieb in seinem Blog über "Die moderne Familie und ihr entscheidendes Dilemma"
am 23. Dezember 2014

 

"... Eltern und ihre Kinder machen es richtig, solange sie sich erinnern, dass die
Beziehung zwischen Mann und Frau ihr erstes “Kind” ist, welches ebenso viel Sorgfalt, Zeit und
Aufmerksamkeit benötigt, wie ihre echten Kinder. Manchmal fühlt sich ein Kind oder Erwachsener
vernachlässigt und muss um Nähe und Aufmerksamkeit kämpfen, aber mit der Zeit kriegt jeder, was
er oder sie braucht. Wenn sie ständig die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kinder priorisieren, wird ihre
Partnerschaft leiden und ... – das werden auch ihre Kinder.

...

Mein bester Rat ist, sich selbst im Spiegel anzuschauen und laut zu sagen “Ich bin die beste Mutter
bzw. der beste Vater, den meine Kinder im Moment haben können und wir werden alle überleben mit
weniger als Perfektion. Ich vergebe Dir mein Freund, dass du nicht perfekt bist!” (siehe auch das Buch "Kinder brauchen unperfekte Eltern")
Wenn Sie das tun (und so meinen!), dann werden Sie sich besser fühlen, mit sich selbst, ihrer
Kompetenz und ihrer Grenzen und werden mit allen viel mehr Spass haben. Für den Fall, dass mit
dieser Übung Ihre Last, die Sie sich selbst aufladen, nicht nachlässt, suchen Sie sich Hilfe."